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Negative Gedanken und woher diese kommen

Als psychisch kranker Mensch habe ich jeden Tag negative Gedanken. Wie jeder normale Mensch auch. Tagtäglich habe ich Zweifel ob ich gut genug, schön genug, intelligent genug bin. Es sollte selbstverständlich sein, nicht so zu denken. Mit Sicherheit hat jeder Mensch solche Gedanken, aber ich kann von mir sagen, dass ich diese gefühlt 40 mal am Tag habe. Oft lasse ich mich von diesen Gedanken treiben. Sogar so weit, dass ich stundenlang traurig bin und weine. Viele werden sich denken, dass ich „doch einfach aufhören soll so zu denken“ oder mich ablenken soll, wenn ich so denke. Prinzipiell habt ihr recht. Ja, ich hab tatsächlich genauso gedacht, bevor ich an Depression erkrankt bin. Ich verstand es nicht, warum man so negativ und hindernd über sich denken kann.

Mittlerweile sehe ich das natürlich anders. Die ganzen negativen Gedanken schleichen sich ein. Oft ist es so, dass ich morgens schon das Gefühl habe, dass es ein schlechter Tag wird. Wenn ich morgens schon den Tränen so nahe bin, bleibt es meistens auch ein schlechter Tag. Hier in Berlin habe ich mich sogar schon einmal überwunden und bin aus dem Bett und in den Tag gestartet. Letztendlich war es ein relativ guter Tag. Zumindest positiver als ich erwartet hatte.

Es war letztendlich ein schöner und lustiger Tag.

Doch woher kommen die negativen Gedanken?

Es gibt Menschen, die neigen eher zum Grübeln als andere. Darunter fallen

  • Perfektionisten
  • Persönlichkeiten mit einer neurotischen Veranlagung
  • Menschen, die übermäßig viel Wert auf die Beziehung anderer Menschen legen

Sobald man in dieser Denkschleife festhängt, kommen die bekannten Selbstzweifel. Diese Personen sind nicht in der Lage, die eigene Person und deren Fähigkeiten positiv einzuschätzen. Das Problem ist, dass dieses negative Denkmuster unglaublich viel Stress verursacht. Es ist also nicht die tägliche Stresssituation, die krank macht, sondern der Dauerstress. Seht dieses Gedankenkarussell daher bitte nicht nur als schlechte Angewohnheit.

Nicht die Dinge machen uns zu schaffen, sondern die Art und Weise, wie wir diese wahrnehmen.

Epiktet

Täglich gehen Menschen ca. 60.000 – 80.000 Gedanken durch den Kopf. Der Großteil davon ist negativ, auch wenn uns das allen nicht bewusst ist. Gedanken haben eine immense Macht. Wenn diese natürlich dauerhaft negativ sind, stellen sie eine große Belastung dar. Einen riesigen Einfluss haben Gedanken auch auf uns, denn sie entscheiden oft wie wir uns fühlen. Fehlerhafte und belastende Gedanken führen sogar zu Angststörungen und einer Depression. Dazu zählen beispielsweise

  • Muss-Gedanken beziehungsweise absolute Forderungen (du musst, die anderen müssen)
  • Negative allumfassende Selbst- und Fremdbewertung (ich bin nichts wert)
  • Katastrophendenken (es wäre absolut schrecklich, wenn…)
  • Niedrige Frustrationstoleranz (ich halte es nicht aus, wenn…)

Aber wie schön wäre es bitte, wenn man einfach aus dem Gedankenkarussell aussteigen könnte? So komisch es sich anhört, aber negative Gedanken haben auch etwas positives. Diese sind nämlich eine Warnung vor möglichen Gefahren. Sie helfen auch dabei, Risiken besser einschätzen zu können. Ebenfalls wird ermöglicht, dass man besser auf bestimmte Situationen vorbereitet ist. Gäbe es diese Warnsignale nicht, würdest du (und auch ich) die Risiken nicht erkennen, Gefahren nicht die nötige Relevanz erkennen. Ohne diese Gedanken würden wir Herausforderungen nicht mit Bedacht angehen und somit blauäugig in unser Unglück laufen.

Ein wundervoller Tag in Berlin.

Die sogenannte Manipulation

Die eigene Gedankenwelt und Denkweise wird durch das Umfeld und die Erziehung zu einem gewissen Maß beeinflusst. Dies nennt man Manipulation. Diese erfolgt durch

  • Die Kindheit und der Eltern
  • Bekannte und Freunde
  • Den Lebenspartner
  • Erfahrungen, die du in der Schule gemacht hast
  • Fernsehen, Internet und Social Media Kanälen

Wenn du zum Beispiel schlechte Erfahrungen in der Schule gemacht hast, weil ein Lehrer sagte, dass du dumm bist, wirst du dir mit Sicherheit nichts zutrauen. Wenn du von den anderen Kindern abgewiesen wurdest, hast du mit Sicherheit öfter das Gefühl, nicht gemocht zu werden. Menschen werden durch die gemachten Erfahrungen geprägt.

Falle des positiven Denkens

Die Überschrift ist etwas verwirrend, aber lies erst den Abschnitt, bevor du sicher bist, dass du nicht positiv denken sollst. Du kannst deine Gedanken nicht zu 100% kontrollieren. Dafür passiert in deinem Kopf einfach zu viel. Dadurch hast du nur geringen Einfluss auf deine Gedanken. Bei so viel Gedankenverkehr könnte man sich auf gar nichts anderes mehr konzentrieren. Das Problem ist, desto mehr man versucht, positiver zu denken, desto mehr verstärken sich die negativen Gedanken. Das kann man sehr gut mit einem Kind vergleichen. Je öfter ich meinem Neffen etwas verbiete, desto reizvoller ist es.

Genauso ist es mit den Gedanken. Je öfter ich versuche nicht negativ zu denken, desto öfter denke ich negativ. Denn Gedanken kommen eher wieder, wenn sie unterdrückt werden. Deshalb führt positives Denken oft dazu, dass diese Menschen noch größere Selbstzweifel bekommen. Indem du also versuchst positiver zu denken und negative Denkweisen eliminierst, wegen diese immer vordergründiger, weil der Fokus noch mehr auf den negativen Gedanken liegt.

Durch den Wunsch, positiver zu denken, gibst du den unschönen Gedanken mehr Freiraum, indem sie wachsen können und die Positiv-Denken-Falle schnappt zu.

Der Pessimismus und seine Gefahren

Vor allem aber sind Pessimisten gefährdet. Ich kenne das von mir selbst, ich gehe immer vom schlimmsten aus, dann bin ich nicht so enttäuscht, wenn etwas nicht klappt. Das ist eine Art Schutz. Es ist allerdings absolut gefährlich. Abgesehen von den immer negativen Gedankenkarussell habe ich auch relativ große Zukunftsängste.

Wenn man sich den Pessimismus mal genauer ansieht, ist es eigentlich nur eine Lebenseinstellung oder Geisteshaltung, in der es keine Hoffnung und positiven Erwartungen gibt. Eigentlich sehr traurig, denn ein Pessimist geht davon aus, dass alles was er tut und anpackt einen negativen Ausgang haben wird.

Das Problem für Pessimisten ist, dass sie immer auf der Suche nach den negativen Aspekten sind. Zusätzlich ziehen negative Gedanken auch negative Resultate an.

Kognitive Umstrukturierung

Natürlich möchte man sich nicht länger von negativen Gedanken beeinflussen lassen. Das heißt, man muss sich von Denkmustern und Lebenseinstellungen trennen. Und das gelingt nur mit einer kognitiven Umstellung. Dabei geht es darum, die eigene Einstellung einer genauen Prüfung zu unterziehen. Oft lassen sich dadurch falsche und schlechte Gedanken entlarven und werden durch unterstützende und hilfreiche Gedanken ausgetauscht. Dies kann mit folgenden Punkten gelingen:

  • Führe dir deine negativen Gedanken ganz bewusst vor Augen
  • Überprüfe, ob der Gedanke hilft und gut für dich ist.
  • Hinterfrage sie Denkweise, indem du dir die Frage stellst, ob das wirklich so ist und ob du es Beweisen oder Belegen kannst.
  • Schau dich nach Alternativen um. Die Medaille hat immer zwei Seiten. Versuche, die Situation anders zu sehen. Es gibt immer eine andere Sichtweise, genauso einen anderen Blickwinkel.
  • Versuche die veränderte Denkweise in deinen Alltag umzusetzen. Damit kannst du negative Gedanken eliminieren.

Gedanken loslassen anstatt zu kontrollieren

Ein weiterer Tipp ist, die Gedanken loszulassen anstatt zu kontrollieren. Kontrolle gibt es nur bei bewusstem Denken, immer wenn du das willst und die Gedanken genau betrachtest. Durch dieses Betrachten verlieren Gedanken einen großen Teil ihrer Macht, da du eine Distanz schaffst und dich damit nicht mehr identifizierst.

Jetzt wird es etwas schwieriger. Versuche, die Gedanken nicht zu verurteilen oder in positive Gedanken umwandeln zu wollen. Dadurch erreichst du, dass sich die Gedanken irgendwann in Luft auflösen. Immer, wenn negative Gedanken in deinem Kopf sind, solltest du die Rolle des neutralen Betrachters einnehmen, ohne diese zu bewerten, zu verurteilen oder sich darin zu verlieren. E klappt nicht immer, aber Übung macht bekanntlich den Meister. Gib nicht auf, denn diese Gedanken sind oft sehr standhaft und hartnäckig. Akzeptiere auch, dass negative Gedanken zum Leben dazugehören. Und das ist auch absolut in Ordnung.

Du musst (und kannst) nicht deine gesamten Gedanken kontrollieren. Versuche den richtigen Umgang mit deiner Denkweise und glaube nicht alles, was du denkst. Gedanken haben eine riesige Macht. Doch es gibt Situationen, in denen Denken nicht sonderlich hilfreich ist. Oftmals ist es nicht der verkehrteste Weg, loszulassen und nicht auf die Gedanken zu hören.

Wichtig ist, sich bei suizidalen Gedanken Hilfe zu suchen. Bitte scheut Euch nicht, Hilfe anzufordern. Jeder braucht mal Hilfe. Mit diesem Slogan wirbt auch die TelefonSeelsorge Deutschland. Bitte nehmt diesen Service wahr, wenn Ihr Gedanken habt, die nicht richtig erscheinen. Egal, wie verzweifelt Ihr seit, es gibt IMMER – absolut IMMER – einen Weg bzw. eine Alternative!

Telefonnummer der TelefonSeelsorge Deutschland:
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