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Selbstliebe – ein Thema für sich

Im Moment lese ich viel über Selbstliebe. Vor allem auf Instagram. Natürlich haben die Influencer*innen recht, es ist ein Thema, welches in der heutigen Zeit extrem zu kurz kommt. Wir verlieren aus den Augen wie wichtig wir sind. Wie wichtig es für die Gesundheit ist, dass wir mit uns selbst im Reinen sind. Es ist nicht mehr alltäglich, dass wir uns selbst wertschätzen. Dass wir uns selbst loben. Dass wir uns nicht mit anderen vergleichen. Ich muss ganz ehrlich zugeben, ich vergleiche mich ständig mit anderen. Und ja, ich glaube, dass das ein großes Problem von mir ist.

Ein gewisses Maß an Konkurrenzdenken ist gar nicht verkehrt, davon bin ich überzeugt. Vor allem in gewissen Bereichen wie Job oder Hobby. Ich meine, es gibt immer jemanden, der in etwas besser ist als ich. Ist einfach so. Außer damals in der Schule in Textverarbeitung. Da war ich die Jüngste und die Beste. Klar, das gibt einen tollen Kick, aber davon kann ich heutzutage nicht mehr zehren. In der Arbeit wird immer jemand sein, der die neuen Gesetze oder Strukturen besser und schneller umsetzen kann. In solchen Momenten muss ich mir einfach bewusst werden, wie wichtig es ist, dieses Denken abzustellen. Es ist in Ordnung, dass ich etwas nicht auf Anhieb verstehe oder nachfragen muss. Es ist in Ordnung nicht die Beste zu sein. Ihr merkt, dass ich wieder auf das Negative anspringe. Ich muss mir verinnerlichen, dass ich gut so bin, wie ich bin. Dass ich die schwachen Momente zulasse. Dass ich keine Angst habe, mal zu versagen. Es ist nämlich keine Schande zu versagen. Es ist nur eine, wenn man nicht weiter macht.

Auch muss ich akzeptieren, dass es immer hübschere, intelligentere und schlankere Frauen geben wird. Aber auch das ist nicht schlimm. Ich habe einen Mann, der hinter mir steht, eine Familie, Freunde. Und zwar bedingungslos. Auch dieses Glück muss ich verinnerlichen. Und ja, das ist nicht selbstverständlich. Aber glaubt mir, ich habe auch andere Zeiten mitgemacht. Die Kunst ist, sich von dem negativen Dingen und Menschen zu lösen. Oft ist dies der kraftvollste Akt an der Thematik.

Selbstliebe wird oft mit blindem Egoismus verwechselt.

Meine Psychologin und ich haben heute bereits das Thema Selbstliebe angesprochen. Zusammen haben wir einige Punkte erarbeitet. Die Vorteile der Selbstliebe sind leicht zu erklären:

  • Man wird innerlich glücklicher, ruhiger und entspannter
  • Stress prallt an einem ab
  • Das persönlich Nehmen von negativer Äußerungen und/oder Kritik fällt weg
  • Man geht automatisch liebevoller mit seinen Mitmenschen um
  • Die Gefahr für eine emotionale Abhängigkeit ist in deiner Beziehung geringer

Laut meiner Psychologin gibt es einen Leitfaden mit den drei wichtigsten Punkten zum Thema Selbstliebe, welche ich euch nicht vorenthalten möchte.

  1. Du hast Priorität
    Du bist das Wichtigste in deinem Leben. Auch, wenn es egoistisch klingt, aber das ist es nicht. Du kannst nicht geben, was du nicht hast. Das bedeutet, du kannst erst für andere da sein, wenn es dir selbst gut geht.
  2. Hilf anderen, weil du es willst – nicht, weil andere es von dir verlangen
    Hilf anderen nur, wenn es dir selbst gut geht. Es bringt euch beiden nichts, wenn es erwartet wird, dass du hilfst, du aber gar nicht die Kraft dazu hast. Stelle dir also im Alltag kurz die Frage „Habe ich die Kraft ihm/ihr zu helfen?“ Wenn die Antwort nein ist – dann sag auch nein.
  3. Bau dich auf – jeden Tag!
    Oftmals reden wir innerlich sehr schlecht mit uns selbst. Glaub mir, ich kenn das. Sätze wie „Man, bin ich blöd!“ oder „Ich bin doch wirklich zu nichts zu gebrauchen…“ kenne ich nur zu gut. Mit diesen Sätzen lernen wir uns aber nicht lieben. Überlege dir viel mehr, warum du toll bist, so wie du bist. Und sprich das laut aus. Benutze also viel öfter Sätze wie „Ich liebe mich weil ich auch an schwierigen Tagen mein Lächeln nicht verliere.“.

Das hört sich natürlich alles total kitschig an. Das habe ich auch meiner Psychologin gesagt. Sie lächelte nur und meinte, dass sie das wüsste und ob sie mir etwas Neues erzählt hat. Diese Frage brachte mich zum nachdenken. Nein, eigentlich nicht. Eigentlich wissen wir ja, wie es funktioniert mit der Selbstliebe. Ich beantwortete ihre Frage und meinte, dass sie mir eigentlich nichts Neues erzählt hat, es mir aber schwer fällt, dies in die Praxis umzusetzen. Gleich darauf nickte sie zustimmend und erzählte mir noch ihre Tipps, die ich in meinen Alltag einbauen sollte. (Achtung, es wird sogar noch kitschiger! ;-))

  • Aufwachen mit Selbstliebe
    Du liegst in deinem Bett und plötzlich klingelt dein Wecker. Der schöne Traum ist dahin. Aber kein Grund, mit bösen Gedanken aufzustehen. Bleib noch ein paar Momente ganz bewusst liegen – und versuche dabei nicht einzuschlafen. Spüre ganz bewusst deinen Körper wie er wach wird und sage dir selbst ein paar nette Worte. Wie zum Beispiel „Heute ist ein schöner Tag. Ich freue mich darauf, ihn bestreiten zu können. Ich bin dankbar, dass es mir gut geht, dass mein Körper funktioniert. Ich liebe dieses Gefühl, das ich gerade habe.“
  • Der kleine Wellness-Moment
    Noch ein Punkt, der funktionieren soll. Und zwar ist dieser ganz leicht. Einmal in der Woche cremst du dich mit einer ganz bestimmten Creme ein, die nur dafür da ist und die du natürlich nur einmal in der Woche nutzt. So tust du nicht nur deinem Körper (besonders jetzt in der kalten Jahreszeit) sondern auch deiner Selbstliebe etwas Gutes. Du cremst dich also mit dieser tollen Creme ein und genießt jede Berührung durch dich selbst. Du lässt dir bei der Übung ganz bewusst Zeit und hetzt dich nicht durch. Danke deinem Körper, dass er so gut funktioniert.
  • Verbanne deinen inneren Kritiker
    Wer kennt ihn nicht? Der innere Kritiker, der dich runter macht, wo er nur kann. Sobald sich der Kritiker meldet, musst du versuchen, ihn auszuschalten. Spreche in Gedanken mit ihm. Sage ihm „Moment mal, ich bin toll so, wie ich bin. Vielleicht kann ich nicht alles in absoluter Perfektion, aber ICH bestimme, wo es lang geht!“. Diese Theroie braucht – laut meiner Psychologin – am meisten Übung. Denn dieser Kritiker ist ziemlich hartnäckig. Nachdem du mit ihm in Gedanken gesprochen hast, versuchst du, wieder Positiv mit dir umzugehen.

Natürlich waren das noch nicht alle Punkte, wie man Selbstliebe erlernen kann. Ich habe mich bereits vor dem Termin mit meiner Psychologin etwas schlau darüber gemacht und habe euch noch folgende Punkte zur Übung zusammengetragen:

  • Nimm dir Zeit für dich selbst
    Wann hast du das letzte Mal etwas für DICH getan? Nimm dir heute mal 30 Minuten Zeit und kümmere dich mal nur um dich selbst, ohne Aufopferung für andere.
  • Gönn dir was
    Wann hast du dir das letzte Mal etwas zur Entspannung gegönnt? Black Friday ist noch nicht so lange her, die Damen werden gekonnt antworten, dass es ja schon ein ganzes Wochenende her ist. Gönn dir heute etwas zur Entspannung – wenn du gerne liest, lies ein Buch und mache dir einen leckeren Tee dazu. Oder schaue deinen Lieblingsfilm, tanze zu deiner Lieblingsmusik, egal was, aber gönn dir!
  • Für was bist du dankbar?
    Gehe einmal täglich in dich und überlege, für was du dankbar bist. Sei es an dir oder in deiner Umgebung. Spüre die Dankbarkeit durch deinen ganzen Körper fließen. Hier ist auch ein Tagebuch recht hilfreich. Schreibe täglich vor dem Zubettgehen auf, für was du dankbar bist.
  • Sei dein bester Freund
    Wie behandeltst du deinen besten Freund? Behandle dich genauso! Sei genauso aufopferungsvoll und liebevoll zu dir selbst.
  • Verzeih dir selbst
    Egal was war, egal was auch passiert ist. Verzeih dir selbst. Die Vergangenheit kannst du nicht ändern – aber akzeptieren. Lass los und du wirst sehen, wie schnell es dir besser geht.
  • Sei nicht so streng zu dir selbst
    Manchmal funktionieren Dinge nicht auf Anhieb. Das ist in Ordnung, denn es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Sei geduldig mit dir und sei nicht so streng. Gib dir die Zeit, die du brauchst und behandle dich bei Fehlschlägen besser als bisher.
  • Lächle öfter
    Lächle dich selbst morgens im Spiegel an. Lächle deine Mitmenschen an. Lächle einfach zwischendurch. Du wirst merken, wie diese positive Energie auf dich über geht.
  • Sei stolz auf dich
    Wenn du etwas gut gemacht hast oder etwas gemeistert hast, dann sei bitte auch stolz auf dich. Gib dir die Zeit und auch dem Raum, dich zu beglückwünschen und stolz auf dich zu sein.

Diese Tipps werde ich auf jeden Fall die nächste Zeit versuchen. Gerne kann ich euch dazu ein Feedback geben.

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