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Entschleunigung des Alltags

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in einem Café in einer Einkaufspasage. Ich bin alleine, genieße die Zeit mit mir selbst. Vielleicht wirkt es für die vorbeigehenden Menschen seltsam, dass ich alleine hier sitze. Aber das macht mir heute nichts aus. Heute ist es mir tatsächlich egal, was fremde Menschen von mir denken. Es ist ziemlich viel los für einen Wochentag und vormittags um 11 Uhr. Verständlich, da scheinbar viele von Geschäft zu Geschäft hetzen um die letzten Weihnachtsgeschenke zu besorgen. Ich genieße meinen Latte Macchiato und habe gerade erst meinen Naturjoghurt mit frischem Obst leer gelöffelt. Äußerst lecker und erfrischend war mein Frühstück. Die Menschenmenge wird nicht weniger. Ich wollte nur eine kurze Pause einlegen, bevor ich weiter bummle. Naja, man könnte es shoppen nennen, da ich schon einiges gekauft habe. Aber auch das macht mir heute nichts aus. Die Frage ist, ob es mir überhaupt jemals was ausmacht, Geld auszugeben. Aber das ist ein anderes Thema. Ich fühle mich heute wohl in meiner Haut. Es scheint, als würde mir heute alles gelingen. Ich kam gut aus dem Bett und habe es sogar innerhalb meines geplanten Zeitrahmens geschafft das Haus zu verlassen. Und dann habe ich auch noch einen Parkplatz direkt vor der Türe gefunden. Ja, auch die ganz einfache blaue Jeanshose die ich gesucht habe, habe ich für wenig Geld gefunden.

Mein leckeres Frühstück an diesem wunderbaren Tag.

Habe ich mich gerade ertappt, als ich fremden Menschen zugelächelt habe? Verdammt, heute ist ein richtig guter Tag. Und tatsächlich hat mich die ältere Dame auch angelächelt. Kurz darauf kam sie an meinen Tisch und meinte „Junge Dame, Sie haben mich eiskalt erwischt, als ich Sie angestarrt habe. Es war mir unangenehm, als Sie es registriert haben und mich angelächelt haben. Und da dachte ich, ich lächle zurück. Die Welt ist heutzutage leider nicht mehr sehr freundlich zu den Mitmenschen.“ Ich erwiderte, dass es mir nichts ausmacht und habe ihr noch einen schönen Tag gewünscht. Trotzdem bleibt mir dieses kurze Gespräch in Erinnerung.

Es hetzen unglaublich viele Mütter mit Kinderwägen an mir vorbei.

Während ich also meinen Kaffee schlürfe wandert mein Blick desöfteren durch die Menge. Ganz automatisch. Und ich sehe unglaublich viele Menschen, die hetzen. Die ganze Zeit. Eine Mutter zerrt ihr kleines Kind hinter sich her. Das Kind läuft schon das dritte Mal gegen irgendwelche Beine. Die Mutter schimpft das süße Mädchen und hetzt weiter. Ich möchte mir kein Urteil über die Dame erlauben, finde das Ganze aber etwas suspekt. Aber ich weiß nicht, was die Dame bis jetzt erlebt hat. Also halte ich mich bewusst zurück, negative Gedanken für die Dame zu entwickeln. Es hetzen unglaublich viele Mütter mit Kinderwägen an mir vorbei. Und ältere Menschen. Auch ein Herr, welche alle Menschen die ihm entgegen kommen (und das waren wirklich viele) motzt er grundlos an. Er schnauzt eine Dame an, diese erwidert das Ganze nur mit einem Kopfschütteln. Immer wieder laufen ihm Menschen vor die Füße, die auf ihr Smartphone starren. Auch gegenüber diesen Menschen ist der Herr sehr ungehalten. Einerseits verstehe ich den Herren, andererseits verstehe ich auch die sogenannten Smombies.

Mir wird immer öfter bewusst, wie schnelllebig unsere Welt mittlerweile ist. Oft muss man 24/7 erreichbar sein. So kommt die Erholungsphase viel zu kurz. Wenn man am Wochenende nicht mehr abschalten kann, wenn selbst der Urlaub nicht mehr reicht um sich zu erholen – das kenne ich nur zu gut. Oft wird man belächelt, wenn man zu gibt, dass man maßlos überfordert ist mit allem. Jeder Mensch ist individuell und hat einen anderen Überforderungsgrad. Was mir zu viel ist, stecken andere leicht weg. Das ist kein Problem. Wirklich nicht. Das muss ich mir oft sagen. Wir sollten aufhören, uns mit anderen so dermaßen zu messen und vergleichen. Jeder ist anders und das ist gut so.

Normalerweise lasse ich mich durch die hetzende Menge mitreißen. Heute ist es anders. Ich schlendere ganz entspannt durch die Läden. Natürlich habe ich viel zu viel Geld ausgegeben, aber das ist in Ordnung – zumindest für mich heute. Gegen die Mittagszeit wurde das Gemenge so richtig viel. Das wurde mir dann viel zu viel. Also habe ich meinen Einkaufsbummel beendet und bin nach Hause gefahren.

Das kurze Gespräch mit der älteren Dame geht mir aktuell nicht aus dem Kopf. Sie meinte, dass die Menschen immer öfter unfreundlich sind. Manche sogar feindselig. Und ich muss ihr leider recht geben. Ich habe heute einige Male fremde Menschen angelächelt und wirklich wenige haben zurück gelächelt. Natürlich ist es momentan eine sehr stressige Zeit, aber sollte nicht genau diese Zeit eher so sein, dass wir wieder menschlicher werden? Dass wir aufeinander zugehen, egal welche Hautfarbe oder Vorlieben ein Mensch hat? Ja, diese Dinge beschäftigen mich trotz meiner Situation – oder gerade deswegen. Natürlich hat jeder mal einen schlechten Tag, aber bin ich deshalb gleich dermaßen gemein und bösartig?

Was du denkst, bist du.

Was du bist, strahlst du aus.

Was du ausstrahlst, ziehst du an.

Buddha

Ich habe mich die Tage mit einer guten Freundin unterhalten, über genau solche Themen. Wir haben zusammen gerätselt, warum man so gemein und bösartig sein kann. Nach viel Kaffee und noch mehr Denkpausen sind wir nicht sehr viel weiter gekommen. Wir mussten uns eingestehen, dass wir solche Gedankengänge nicht eindeutig nachvollziehen können. Ich meine, ich wünsche keinem Menschen etwas schlechtes. Wirklich nicht. Klar kann ich auch mal böse werden, aber prinzipiell macht wünscht man niemanden etwas schlechtes. Karma und so.

Letzten Endes gilt es für jeden, ob krank oder nicht, dem Alltag etwas zu entschleunigen. Auch mal das Handy beiseite zu legen und den Moment zu genießen. Das Handy auch mal auszuschalten und einfach mal nicht erreichbar zu sein. Pünktlich Feierabend zu machen und die Zeit der Erholung zu widmen. Auch mal Nein zu sagen. Ich glaube, dass diese Zeit viel intensiver sein kann. Denn letztendlich zählen nicht die Follower, das Instagram Profil oder die Arbeit. Was zählt ist deine Gesundheit. Nichts ist wichtiger als das. Und wenn ich das endlich verinnerlicht habe, kann ich meinen Weg weiter gehen. Und ja, ich freue mich sehr darauf, endlich das Richtige und Wichtige für meine Gesundheit zu tun.