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Optimismus und Pessimismus

Seit einigen Wochen habe ich mittwochs meinen Psychologentermin. Ich bin immer noch sehr begeistert von meiner durch und durch sympathischen Psychologin. In der Zwischenzeit hat sie ihr Behandlungszimmer umgestrichen. Das warme Aprikot musste einem schlichten Weiß weichen. Allerdings habe ich nicht nachgefragt, was der Farbwechsel zu bedeuten hat. Ich fühle mich deshalb nicht weniger wohl. Bei dem letzten Termin ging es um meine Einstellung zum Leben. Ob mit oder ohne Krankheit.

Wie wir zu dieser Frage kamen, ist ziemlich einfach erklärt. Aber der Reihe nach. Ich kam in das Behandlungszimmer und setzte mich wie üblich auf meinen Stuhl. Ich nenne ihn einfach meinen Stuhl, da ich immer auf diesem Stuhl sitze. Wir sprachen darüber, wie es mir die letzte Woche ergangen ist.

Ich erzählte ihr, dass ich bei einer Freundin war, die einfach so großartig positiv eingestellt ist. Ganz ehrlich, ich kenne keine Person, die mir mehr inspiriert hat als sie. Wirklich, meine Freundin ist eine ganz liebevolle Person. Ich erzählte meiner Psychologin auch, dass mir jemand eine sehr mutige Entscheidung anvertraut hat. Auf meine Anmerkung, dass die Mutter von dem kleinen mutigen Kerl alles richtig gemacht hat, dass er sich ihr so anvertraut wurde nur gekonntert, dass ich auch alles richtig gemacht habe, wenn man mir sowas erzählt. Aus diesem Blickwinkel hatte ich es bis dahin gar nicht gesehen. Es zeigte mir mal wieder, wie sehr ich darauf bedacht bin, stets das Negative an mir zu sehen.

Die Weihnachtszeit ist wundervoll – überall sind schön dekorierte Plätze.

Realist oder Pessimist?

Wir sprachen viel über die innere Einstellung und welche Lebensauffassung ich habe. Ich antwortete, dass ich mich selbst als Realist betiteln würde. Wir sprachen weiter über gewisse Vorkommnisse aus meiner Vergangenheit, die mich negativ geprägt haben könnten. Ich erzählte wohl sehr viel, vor allem von „Freunden“. Ich setze dieses Wort bewusst in Anführungszeichen, da ich heute weiß, dass es nie wahre Freunde waren. Meine Psychologin fragte mich, worin für mich der Unterschied zwischen einem Realist und einem Pessimist liegt. Ich erklärte ihr, dass für mich ein Realist eine Situation realistisch einschätzen kann, wogegen ein Pessimist vorerst sehr skeptisch ist und oft keinerlei positiven Aspekt in einer Sache erkennen kann. Und noch während ich diese Worte sprach, wusste ich, ich bin ein absoluter Pessimist.

Das Behandlungszimmer meiner Psychologin ist sehr gemütlich und ordentlich.

Sie lächelte nur, ich glaube, sie hat meinen Gedankengang an meinem Gesicht abgelesen. Ich war total perplex, ich dachte wirklich nicht, dass meine Lebensauffassung wirklich negativ behaftet ist. Naja, nicht nur behaftet. Ich merkte, wie ich mit meinen Gedanken abschweifte und versuchte mich wieder in das Behandlungszimmer zu katapultieren.

Pessimismus

Wie oben schon beschrieben, betrachtet ein Pessimist alles von der negativen Seite. Die Grundhaltung ist ohne positive Erwartung oder gar Hoffnung. Auch die Zukunftserwartung ist sehr negativ behaftet. Ich hatte bis dato wirklich nicht gedacht, dass ich so eingestellt bin. Es wundert mich immer wieder, wie viel ich durch diese Therapie lerne. Wir haben viel darüber gesprochen, wie ich mittlerweile meine Zukunft sehe. Zu Beginn der Therapie habe ich von meiner Auffassung erzählt, dass es sich wohl kaum schnell ändern wird. Ich wusste von Anfang an, dass ich hart an mir Arbeiten muss. Aber ja, desto länger ich darüber nachdenke, desto mehr wird mir klar, dass ich wirklich eine negative Grundeinstellung habe. Es ist für mich nicht leicht zu akzeptieren, da ich vor einigen Jahren durchaus positiver eingestellt war.

Auch mein Mann ist durchweg positiv. Und ja, darum beneide ich ihn durchaus. Ich wäre wirklich gerne positiver. Es fällt mir sehr schwer, mich zu freuen. Das kenne ich gar nicht. Weihnachten steht vor der Türe. Immer wieder werde ich gefragt, ob ich mich schon auf das Weihnachtsfest freue. Ehrlich gesagt ist es mir egal. Das Positive ist, dass die Familie wieder zusammen kommt, man sich mal wieder sieht. Aber das wars dann auch. Aktuell haben wir 16 Grad, es kommt keine Weihnachtsstimmung auf. Auch hier versuche ich stets ehrlich zu antworten. Es ist nicht immer einfach, so ehrlich zu sein. Wenn mich jemand fragt, wie es mir geht, ist es sehr schwierig zu antworten, wenn ich keinen guten Tag habe. Ich verstehe durchaus, dass sich die Menschen um mich rum Sorgen machen. Aber das ist nicht nötig. Die meisten Kämpfe muss ich einfach mit mir selbst austragen.

Optimismus

Der Optimismus ist das genaue Gegenteil vom Pessimismus. Hier wird alles von der besten Seite betrachtet. Grundsätzlich ist ein Optimist heiter, zuversichtlich und lebensbejahend. Was würde ich dafür geben, so zu denken. Ich meine, wie schön muss es sein, wenn man davon ausgeht, dass alles gut ausgeht, egal was man anpackt. In allem etwas positives sehen. Das versuche ich aktuell. Es ist immerhin positiv, dass ich diesen Artikel fertig bekomme – hoffe ich zumindest.

Wir waren am Sonntag ziemlich lecker frühstücken. Das ist positiv. Mein Mann und ich waren in einem Katzen-Café. Ich liebe Tiere abgöttisch und finde, dass diese Lebewesen es spüren, wenn es jemanden nicht gut geht. So auch in diesem Café. Es war absolut toll. Auch heute erinnere ich mich gerne an den Tag zurück. Das Frühstück war vegan und außerordentlich lecker. Um ehrlich zu sein, denke ich nicht sonderlich darüber nach, ob ich etwas veganes oder vegetarisches esse. Umso überraschter war ich, dass es so außerordentlich lecker war. In diesem Café gibt es freilaufende Katzen. Diese kann man streicheln und lieb haben. Absolut wunderbar. Die Hygeniebedingungen sind absolut streng, daher hatte ich absolut keine Skrupel etwas zu essen.

Im Katzen-Café laufen die Katzen frei herum.

Positives an einer Depression finden

Meine Psychologin meinte, dass auch die Depression etwas positives hat. Ich soll bis zum nächsten Termin im Januar darüber nachdenken. Was soll ich sagen? Es fällt mir sehr schwer, an einer Depression etwas positives zu erkennen. Ich meine, es ist doch sehr seltsam, an einer Krankheit etwas Gutes zu finden. Klar, mein Leben wird umstrukturiert, ich löse mich vielleicht von negativen Dingen und Aspekten. Aber ist das der „Sinn“ der Depression? Das hätte mir mein Körper auch anders mitteilen können.

Ich verstehe es einfach nicht. Aber ich muss dazu sagen, dass ich ja immer noch relativ am Anfang stehe. Endlich haben wir scheinbar die richtigen Antidepressiva gefunden und auch in der Therapie geht es durchaus in die Tiefe. Ich arbeite sehr viel an mir, aber kann das eben nur machen, wenn ich wieder neue Aspekte der Depression kennen lerne. Das Sprichwort „Man lernt nie aus.“ bekommt hier eine völlig neue Bedeutung. Ja, ich lerne täglich Neues über mich. Ich habe in der Zeit, in der ich zu Hause bin, viel mehr über mich gelernt als die letzten Jahre zusammen. Trotzdem versuche ich nahezu täglich zu verstehen, warum es mich trifft mit der Krankheit. Das ist nicht sonderlich fördernd, da man schnell auf das negative Gedankenkarussell aufspringt.

Letzte Worte zu diesem Artikel

Ich möchte daran glauben, dass alles einen Grund hat, warum das passiert. Vielleicht ist der Grund jetzt für mich noch nicht erkenntlich. Aber das muss nicht heißen, dass ich den Grund nicht herausfinden werde. Vielleicht muss ich die ganze Sache einfach etwas anders angehen, viel offener und positiver. Wahrscheinlich zeigt mir mein Körper einfach nur, dass es reicht mit dem Stark sein und ja, ich darf auch mal Schwäche zulassen. Vielleicht ist genau das die Herausforderung für mich. Ich war all die Jahre so stark, habe jede noch so komplizierte Situation gelöst und habe mir kaum Ruhephasen gegönnt. Immer wieder muss ich mir vor Augen führen, dass ich krank bin. Dass ich einfach nicht so funktionieren muss und kann, wie ich und auch andere Personen es gewohnt sind.

Ich muss lernen, dass es keine Schwäche ist, nein zu sagen. Oder mir Auszeiten zu gönnen. Es ist nicht immer einfach für mich, aber für wen ist es das schon. Vor allem muss ich aufhören, mich mit anderen zu vergleichen. Jeder Mensch ist anders, ist individuell.

Außerdem ist es mir ein Anliegen, euch Danke zu sagen. Vielen Dank, dass ihr so fleißig meinen Blog lest. Natürlich möchte ich auch denen Danken, die mir auf Instagram und Facebook folgen und mir eine nahezu durchweg positive Rückmeldung gebt. Ich habe mit Abstand die besten Leser. Ich freue mich immer wieder über Nachrichten von euch. Gerne könnt ihr mir auch Themen schreiben, die ihr noch hören/lesen wollt.

Kurz und knapp: Danke, dass ihr euch so für die Krankheit interessiert und dass ihr euch dieses Wissen aneignen wollt.

Ich wünsche Euch – falls ich es nicht mehr schaffe einen Artikel zu schreiben – eine wundervolle Weihnachtszeit und ein besinnliches Fest. Genießt die Zeit mit eurer Familie und Freunden.

Hilfe holen

Wichtig ist, sich bei suizidalen Gedanken Hilfe zu suchen. Bitte scheut Euch nicht, Hilfe anzufordern. Jeder braucht mal Hilfe. Mit diesem Slogan wirbt auch die TelefonSeelsorge Deutschland. Bitte nehmt diesen Service wahr, wenn Ihr Gedanken habt, die nicht richtig erscheinen. Egal, wie verzweifelt Ihr seit, es gibt IMMER – absolut IMMER – einen Weg bzw. eine Alternative!

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