Diesjähriges Weihnachtsoutfit
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Das Datum

Ich hoffe, ihr hattet wunderbare Weihnachten. Meine Gedanken waren auch bei jenen, die keine Familie oder Freunde haben, mit denen sie feiern konnten. Obwohl ich das große Glück habe, eine liebende Familie hinter mir zu haben, weiß ich, dass dies nicht selbstverständlich ist. Aber dieses Glück haben leider nicht alle. Viele haben mir geschrieben, dass sie Weihnachten alleine feiern müssen. Dies tut mir dann jedes Mal sehr leid, aber ich war in Gedanken bei euch.

Aufteilung der Weihnachtsfeiertage

An Heiligabend haben wir seit einigen Jahren dasselbe prozedere. Gemeinsam mit meinem Ehemann fahre ich zu meinen Schwiegereltern, esse hier eine Kleinigkeit zu Mittag und packe mit unserem Neffen die ersten Geschenke aus. Danach fahre ich alleine zu uns nach Hause und ich feiere mit meinen Eltern ganz klassisch. Wir essen zu Abend, gehen mit dem Hund „nach dem Christkind schauen“ – das ist eine Tradition, die sich nie geändert hat – und packen unsere Geschenke aus. Danach kommt mein Ehemann und auch er bekommt seine Geschenke von meinen Eltern. Anschließend quatschen wir noch ein wenig. Mein Ehemann und ich gehen dann meist in unsere Wohnung und genießen den Abend.

Am ersten Weihnachtsfeiertag sind wir bei meiner Oma. Hier treffen sich nur meine Tante mit Onkel und Cousin – dieses Jahr sogar mit Freundin. Dieses Jahr war es wirklich ganz bezaubernd. Es war eine unglaubliche Harmonie und die Stimmung entsprechend gut. Es gibt Mittagessen, danach eine Nachspeise und zu Kaffee und Kuchen noch Plätzchen. Ja, es ist durchaus ein Tag, an dem man sehr viel isst. Aber so ist es, seit ich denken kann. Gegen Abends fahren wir heim, man bekommt sowieso keinen Bissen mehr herunter.

Diesjähriges Weihnachtsoutfit

Am zweiten Weihnachtsfeiertag sind wir bei meiner Taufpatin mit Mann, Firmpatin mit Familie. Hier treffen wir uns am Nachmittag – meist bei meiner Taufpatin – und essen mal wieder. Zum Kaffee am Abend gibt es meistens Kuchen. Wir quatschen sehr viel. Während dem Kaffee wird wild durcheinander geredet, jeder möchte mit jedem sprechen. Oft muss man seine Geschichten bis zu dreimal erzählen, damit es wirklich jeder mitbekommt. Aber das ist vollkommen in Ordnung.

Das Schönste für mich an Weihnachten ist, dass ich die Familie um mich rum habe. Für die Familie sollte man sich immer Zeit nehmen, aber oft kommt diese einfach zu kurz.

Die Post arbeitet wieder

Am meisten habe ich genossen, dass wir keine Post erhalten haben. Ich warte auf den Brief, der mir mitteilt, wann meine Reha los geht. Am Tag nach den Feiertagen habe ich also unseren Briefkasten geleert und es war wirklich viel Post darin. Ich habe die Briefe überflogen und entdeckte einen rießigen Umschlag von der Klinik in die ich darf. Mein Herz schlug wie wild, ich zitterte am ganzen Körper und ich setzte mich erst einmal. Tief durchatmen, Jessi. Als ich mich ein wenig beruhigt hatte, öffnete ich den Brief.

„Sehr geehrte Frau Wingen, bla bla bla, wir freuen uns, Sie am 07.01.20 in unserer Klinik begrüßen zu dürfen.“ Was?! Die Dame am Telefon hat mir doch gesagt, dass es vor Februar nichts wird. Na gut, ich muss den Termin bestätigen. Das kann man total mordern per WhatsApp. Ich überflog den Rest des Briefes und musste schlucken. Das frühe Datum machte mir echt zu schaffen. Ich wusste ja, dass es irgendwann losgehen muss, aber dass es so schnell geht, damit hätte ich im Leben nicht gerechnet. Statt mich zu freuen, dass es wirklich bald los geht, hatte ich Panik. Aber wie.

Ich überflog beim ersten Mal lesen alles. Beim besten Willen konnte ich mir nichts merken. Als ich die Panik ein bisschen nach lies, habe ich ganz bewusst die ganzen Schriftstücke nochmal gelesen.

Schriftstücke vom Arzt

Natürlich waren einige Unterlagen, die ich von meinem Arzt benötige. Diverse Untersuchungsergebnisse und so weiter. Alles, was mit meiner Krankheit zu tun hat. Für die Rentenversicherung habe ich noch einen Medikationsplan benötigt. Selbstredend nur von meinen Antidepressiva. Alle anderen Tabletten muss ich mitbringen. Das heißt, im neuen Jahr darf ich meine Hausärztin aufsuchen und mir von ihr alle möglichen Unterlagen mitgeben lassen. Auch ein Rezept für meine Tabletten gegen den Bluthochdruck darf sie mir nochmal ausstellen.

Medikamentenplan

Um den Medikamentenplan von meinem Neurologen zu erhalten, musste ich mich beeilen, denn dieser war nur noch am Freitag da. Danach hat die Praxis bis zum 07.01.20 Urlaub. Na wunderbar. Was macht die Jessi am ersten Tag, an dem die Läden wieder geöffnet haben? Natürlich, sie schmeißt sich ins Getümmel. Meine Eltern waren so lieb und haben mich zum Neurologen gefahren. Am Telefon meinte die Dame, dass ich nur den Zettel vorbei bringen muss, das dauert nicht lange. Gesagt, getan. Ich bin also in die Praxis und ich wurde ins Wartezimmer geschickt. Meine Eltern warteten unten im Auto. Als 30 Minuten vergangen waren, riefen meine Eltern an und fragten, ob ich noch länger bräuchte, sonst würden sie mit dem Hund spazieren gehen. Ich fragte nach und mir wurde gesagt, dass ich noch ein bisschen warten muss.

Ehrlich gesagt habe ich nicht damit gerechnet, dass ich zu meinem Neurologen aufgerufen werde. So war es aber. Wir begrüßten uns und gingen in sein Sprechzimmer. Er fragte mich, wie es mir geht und ob ich einen Notfall habe. Ich erklärte ihm, dass ich ein Schreiben von der Klinik erhalten habe und er entsprechend ein Formular ausfüllen muss. Als ich ihm mitteilte, wann es los geht, staunte er nicht schlecht. Er fand es ebenfalls sehr flott, begrüßte aber das Ganze.

Ich lachte ein paar Mal mit ihm, was ihm ausgesprochen gut gefiel. Er sagte es mir auch. Und er sagte, dass die Zeit in der Reha durchaus sehr intensiv sein wird. Ich nickte, denn das habe ich mir schon gedacht und mich darauf eingestellt. Außerdem meinte er, dass die Gruppentherapie erst einmal sehr ungewöhnlich ist, ich mich aber unbedingt darauf einlassen soll. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Reha auch wirklich anschlägt. Wir verabschiedeten uns und meine Eltern holten mich wieder ab.

Die Packliste

Als ich wieder zu Hause war machte ich mich wieder an den Brief. Ich füllte einiges für die Rentenversicherung aus und packte dies in einen Briefumschlag. Für die Klinik musste ich einen Behandlungsvertrag unterschreiben und zurückschicken. Also unterschrieb ich und steckte auch gleich den Aufnahmebogen mit rein. In dem Aufnahmebogen ging es um meine Daten, um eine Kontaktperson und wie ich anreise. Natürlich fahre ich mit meinem eigenen Auto dahin. Ich liebe es, unabhängig zu sein. Da ich in den Schwarzwald fahre und es dort den Europapark gibt, werde ich mit Sicherheit das ein oder andere Mal dorthin fahren. Zumindest bilde ich mir das ein.

Als ich von der Post wieder kam, schaute ich mir die Packliste genauer an. Unglaublich, was man alles braucht. Von Badesachen inklusive Bademantel über ein Kissen und einer Decke wirklich alles. Ich liste euch mal das Wichtigste auf:

  • alle zur Verfügung stehende Befunde
  • ausgefüllter Anamnesefragebogen
  • Anschrift der behandelnden Ärzte
  • Krankenkassenkarte
  • Personalausweis
  • Impfpass
  • Hilfs- und Heilmittel (Brille und Blutdrucktabletten)
  • Bademantel, Badeschuhe, Badebekleidung
  • Hallenturnschuhe, Sportbekleidung, Trainingsanzug
  • wetterfestes Schuhwerk, Outdoor-Turnschuhe, Hausschuhe
  • Winterjacke, Handschuhe, Mütze, Schal
  • Bekleidung: Nachtwäsche, Unterwäsche, Socken, rutschfeste Socken, Strümpfe, bequeme Oberbekleidung, wetterfeste Bekleidung, Regenschirm
  • persönliche Hygieneartikel, Seife
  • Fön, Rasierer
  • Taschentücher
  • Wecker
  • Lesestoff

Ihr seht, ich brauche einen großen Koffer. Den kann ich mir Gott sei Dank von meiner Schwiegermama ausleihen. Aber trotzdem muss ich einiges noch einkaufen. Ich habe weder einen Trainingsanzug noch Hallenturnschuhe. Außerdem werde ich mir noch einen kleinen Reiseföhn kaufen.

Letzte Worte zu diesem Artikel

Ich muss ehrlich sagen, dass ich panische Angst hatte, als ich den Brief geöffnet habe. Der Gedanke, dass es so früh schon los geht, hat mich extrem verunsichert. Es wirft mich einfach entsprechend aus der Bahn, wenn man mir telefonisch eine andere Info gibt als ich dann letztendlich erhalte. Aber auch diese kurze Phase habe ich erfolgreich hinter mich gebracht. Den Anamnesefragebogen muss ich noch ausfüllen. Darin geht es viel darum, wie es mir in meiner Kindheit ergangen ist, wie ich mit Zurückweisung umgegangen bin und so.

Letzten Endes „freue“ ich mich sogar auf die Reha. Natürlich wird es nicht leicht von meiner Familie und meinen Freunden getrennt zu sein. Mit Sicherheit werde ich das ein oder andere Mal Heimweh haben. Aber vielleicht ist es genau das, was ich brauche. Vielleicht ist es genau dieser Abstand, den ich brauche um zu mir selbst zu finden. Zu meinem wahren Ich. Vielleicht lerne ich, die alltäglichen Dinge viel mehr wertzuschätzen als bisher. Dankbarer sein, das ist ein erreichares Ziel für mich.

Und ich bin mir sicher, dass mir diese Zeit gut tun wird. Natürlich habe ich etwas Respekt davor, komplett auf mich alleine gestellt zu sein. Aber ich glaube ganz fest, dass ich das hin bekomme und gestärkt nach Hause kommen werde. Vielleicht finden sich sogar Freundschaften. Aktuell fehlt mir oft der Austausch mit Gleichgesinnten. In dieser Zeit werde ich davon mehr als genug haben.

Darauf einlassen, das ist die Devise. Ich werde mich komplett darauf einlassen und jedes noch so kleine Problem lösen. Natürlich vermisse ich mein altes Ich, aber vielleicht ist das „neue Ich“ ein Stückchen besser. Ein besserer Mensch werden, das wäre mein Traum. Besser, aber bestimmter. Grenzen ziehen können. Sich nicht mehr so leicht stressen lassen. Das Leben wieder in vollen Zügen genießen. Ja, ich habe meine Ziele hoch gesteckt, aber sie sind nicht unerreichbar. Ich werde in diese Klinik gehen und lernen, mit dieser Krankheit umzugehen. Komme, was wolle. Ich schaff das.

Hilfe holen

Wichtig ist, sich bei suizidalen Gedanken Hilfe zu suchen. Bitte scheut Euch nicht, Hilfe anzufordern. Jeder braucht mal Hilfe. Mit diesem Slogan wirbt auch die TelefonSeelsorge Deutschland. Bitte nehmt diesen Service wahr, wenn Ihr Gedanken habt, die nicht richtig erscheinen. Egal, wie verzweifelt Ihr seit, es gibt IMMER – absolut IMMER – einen Weg bzw. eine Alternative!

Telefonnummer der TelefonSeelsorge Deutschland:
0800/111 0 111
0800/111 0 222
116 123
Website:
https://www.telefonseelsorge.de/
Auf der Website könnt Ihr euch auch schriftlich mitteilen oder einen Standort in Eurer Nähe suchen.

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