Die Probleme der Wiedereingliederung

Am Montag hatte ich meinen ersten Arbeitstag. Ich war selten so nervös wie an diesem Tag. Die Nacht vorher konnte ich kaum schlafen, meine üblichen Schlaftabletten haben nicht geholfen. Bereits Sonntag machte ich mir viele Gedanken, wie es wohl werden würde. Würde ich freundlich empfangen werden? Würde hinter meinem Rücken getuschelt werden? Ja, ich merkte, wie ich wieder zurück in meinen alten „Modus“ verfiel. Viel zu viele Gedanken machten sich wieder breit und ich wurde immer nervöser. Trotzdem machte ich gute Miene zum bösen Spiel. Denn irgendwie freute ich mich ja darauf. Der Alltag hat mir bereits vor meiner Erkrankung in gewisser Weise Halt gegeben. Und ja, ich freute mich auf meine Kollegen, auf meine Tätigkeiten, auf meinen normalen Alltag. Aber irgendwie hatte ich trotzdem ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Natürlich werden die Leute immer reden, aber trotzdem ist man einfach empfindlicher als sonst. Ich versuchte also am Sonntag noch einigermaßen gelassen zu bleiben. Mir einfach nicht so viele Gedanken zu machen – es kommt ja eh wie es kommt. Es ist mir wohl nicht ganz so gelungen, denn ich wurde immer unsicherer und gereizter. Aber gut, es geht nunmal weiter. Der Tag der Wiedereingliederung Der Tag war gekommen – schneller als mir lieb war. Die Nacht vorher konnte ich kaum schlafen, es war zum Haare raufen. Ich wälzte mich von einer Seite zur anderen und malte mir immer wieder Situationen aus, die es wohl nur in meinem Kopf gab. Gegen 5 Uhr stand ich auf, ich konnte einfach nicht mehr schlafen. Ich nahm meine Tabletten, frühstückte und wartete, dass ich endlich losfahren kann. Gegen 6.30 Uhr fuhr ich los. Ich habe lediglich 15 Minuten bis zur Arbeit, also war ich entsprechend früh dran. Aber ich wusste einfach nicht mehr, was ich tun soll. In der Arbeit angekommen blieb ich noch einige Minuten sitzen. Es war nahezu niemand da und ich zitterte am ganzen Körper. Ich sah das keineswegs als Grund zur Beunruhigung, ich sah es als Zeichen, dass ich unglaublich nervös bin. Ich stieg also nach ein paar Minuten aus, schrieb nochmal meiner „Reha-Gang“ wie nervös ich war und ging hinein. Wir müssen das Gebäude mit einem Sicherheitsschlüssel entsperren, ich bekam ihn einfach nicht rein. Ich atmete noch ein bisschen tief durch, dann fand ich mich bereits in dem Gang der Buchhaltung. Es sah aus wie immer. Ich blickte mich um und beschloss, dass ich meinen Vorgesetzten suchen würde. Kleinere Änderungen fielen mir auf und ich musste etwas in mich hinein schmunzeln. Meinen Vorgesetzten fand ich nicht in seinem Büro, sondern in einem Büro meiner Kollegin. Ich lächelte freundlich und begrüßte beide vielleicht etwas zu euphorisch. Zu meiner großen Überraschung meinte mein Vorgesetzter etwas überrascht und forsch „Sie sind ja schon da, na toll.“ Ich musste echt schlucken und fühlte mich etwas überfahren und überfordert. Gleichzeitig versuchte ich nicht gleich negativ zu denken. Mein alter Platz wurde zwischenzeitlich neu besetzt und ich bekam meinen neuen Platz gezeigt. Mein neuer Platz Ganz zufrieden bin ich nicht mit dem neuen Platz. Aber es ist nur eine Arbeit. Wir haben als erstes meinen PC gestartet. Der PC lief die ganze Zeit nicht, daher musste er erst einmal ein paar Updates starten. Diese liefen eine ganze Zeit. Währenddessen sprachen mein Vorgesetzter und ich über die Wiedereingliederung. Er fragte, ob ich gewisse Fragen mitgebracht hätte. Ich verneinte und erklärte ihm, wie es mir aktuell geht und was ich mir von der Wiedereingliederung verspreche. Als wir auf meine mangelnde Konzentration zu sprechen kamen, wollte er wissen, ob ich das Problem als dauerhaft betiteln würde. Ich verneinte und er meinte nur, dass sich das alles gut anhört. Als wir gesprochen hatten, habe ich einen Laptop erhalten. Falls es zum Homeoffice kommen sollte, meinte mein Vorgesetzter. Ich war und bin nicht sehr begeistert davon. Aufgrund der aktuellen Situation mit dem Corona-Virus darf höchstens ein Mitarbeiter im Büro sein. Deshalb musste ich meinen Laptop selbst aufbauen und installieren. Das stellte für mich aber kein Problem dar. Als alles fertig war machte ich mich an mein Postfach, welches seit knapp 9 Monaten nicht geleert wurde. Der erste Feierabend Geplant war, dass ich für maximal 4 Stunden am Tag in die Firma gehe und so wieder langsam in den Arbeitsalltag integriert werde. Nach meinen 4 Stunden packte ich langsam mein Zeug zusammen. Ich hatte ein richtig doofes Gefühl und war froh, dass die Stunden um waren. Als Anweisung habe ich die Mitnahme des neuen Laptops bekommen. Wir vereinbarten, dass ich am nächsten Tag normal in die Firma kommen sollte und wir dann besprechen, ob ich nicht auch ins Homeoffice gehe. Ich suchte meinen Vorgesetzten um mich zu verabschieden, fand ihn allerdings nicht. Auf dem Weg ins Fitnessstudio rief ich Stephi an. Stephi ist mein Ankerpunkt. Immer wenn es mir schlecht geht – oder besonders gut – rufe ich Stephi an, um sie entweder um Rat zu fragen oder sie mit meiner Laune anzustecken. Ich erzählte ihr, wie mein Tag war und dass ich ein richtig doofes Gefühl habe bei der ganzen Sache. Wir kamen zu dem Entschluss, dass dies wohl der erste Tag sein muss und dass ich mich erst wieder daran gewöhnen muss. Leider konnte ich auch nicht in mein Fitnessstudio gehen – ein Dank geht ironischer Weise an den Corona-Virus. Ich hätte mich liebend gerne körperlich betätigt, damit ich nicht so viel nachdenke, aber gut. Die Situation ist momentan eben so. Mir fiel ein großer weißer Zettel an der Türe auf. Darauf stand, dass das Studio leider geschlossen werden musste. Also beschloss ich, dass ich schnell einkaufen gehe. Keine Angst, ich tätige keine Hamsterkäufe. Ich kaufte also ein paar Lebensmittel ein und fuhr nach Hause. „Endlich“ zu Hause Zu Hause erwartete mich ein liebevolles Paket im Briefkasten. Ich freute mich sehr und machte es gleich auf, als ich in der Wohnung war. Es war von Meli mit einer sehr lieben Karte, einem Button und ganz viel Konfetti. Natürlich schreibte ich ihr gleich, dass mich ihr Paket erreicht hat und ich mich sehr gefreut habe. Ich erzählte ihr auch gleich, wie es an meinem ersten Tag war und fragte nach, wie es ihr geht und was sie so treibt. Ich machte mir den Fernseher an und telefonierte mit meinen Eltern. Dank ihnen habe ich einen ganz anderen Blickwinkel von dem ersten Tag bekommen. Als wir aufgelegt hatten, hatte ich eine Mail von meinem Vorgesetzten im privaten Postfach. Ich möge ihn doch bitte anrufen. Gesagt, getan. Ich rief ihn an und er meinte, ob wir die Wiedereingliederung nicht verschieben könnten, da aktuell keiner da ist der mich einlernen und Fragen beantworten könne. Ich sagte, dass ich mich informieren und ihm Bescheid geben werde. Also rief ich bei der Rentenversicherung an. Natürlich ist dies nur über die Service-Hotline möglich. Ich hing einige Minuten in der Warteschleife bevor ich an eine sehr freundliche Dame kam. Kurz erklärte ich ihr die Situation und sie meinte, dass ich lediglich zwei Möglichkeiten habe. Entweder mein Arbeitgeber pausiert die Wiedereingliederung für zusätzliche 7 Tage oder er bricht diese ab. Ich bedankte mich für die Auskunft und rief noch bei meiner Krankenkasse an, um auch dort nachzufragen. Leider musste sich meine Sachbearbeiterin beeilen, da sie mit sofortiger Wirkung in Quarantäne musste. Begeistert war sie nicht von der Situation, aber auch ihr Rat war, dass der Arbeitgeber die Wiedereingliederung abbrechen soll. Das Ergebnis Nachdem ich die Informationen gesammelt hatte, schrieb ich meinem Vorgesetzten eine Mail und erklärte ihm die Situation. Kurze Zeit darauf erhielt ich von der Personalabteilung die Entscheidung: die Wiedereingliederung wurde mit sofortiger Wirkung aufgrund des Corona-Virus abgebrochen. Das war wie ein Schlag ins Gesicht. Ich möchte arbeiten und dies war natürlich so nicht geplant. Auch von meinem Arbeitgeber nicht. Aber unter diesen Gesichtspunkten ist eine Wiedereingliederung einfach sinnlos. Am Donnerstag habe ich wieder einen Termin bei meinem Neurologen und ich werde auch hier dieses Thema ansprechen. Ich bin ziemlich gespannt, wie er darauf reagieren wird und wie sich die Wiedereingliederung in Zukunft gestaltet. Letzte Worte zu diesem Artikel Wie gesagt, weder von mir noch von meinem Arbeitgeber war diese Vorgehensweise geplant oder gewünscht. An erster Stelle steht in diesen Zeiten – nein, immer (!!) die Gesundheit. Und wenn diese nur durch solche Schritte gewahrt werden kann, dann gehen wir diese Schritte natürlich. Selbstverständlich ist es für mich eine äußerst doofe Situation und ich hätte es mir durchaus anders gewünscht, aber es kommt, wie es kommt. Ich bin gespannt, wie sich die Situation mit dem Virus noch entwickelt, denn ich bin mir sicher, wir stehen nur am Anfang des Chaos und befinden uns noch nicht mittendrin. Bitte bitte bleibt gesund und kommt gut durch diese kritische Zeit. Eure Jessica Hilfe holen Wichtig ist, sich bei suizidalen Gedanken Hilfe zu suchen. Bitte scheut Euch nicht, Hilfe anzufordern. Jeder braucht mal Hilfe. Mit diesem Slogan wirbt auch die TelefonSeelsorge Deutschland. Bitte nehmt diesen Service wahr, wenn Ihr Gedanken habt, die nicht richtig erscheinen. Egal, wie verzweifelt Ihr seit, es gibt IMMER – absolut IMMER – einen Weg bzw. eine Alternative! Telefonnummer der TelefonSeelsorge Deutschland:0800/111 0 1110800/111 0 222116 123Website:https://www.telefonseelsorge.de/Auf der Website könnt Ihr euch auch schriftlich mitteilen oder einen Standort in Eurer Nähe suchen.