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Wenn der Alltag Pause macht

Momentan ist nichts einfach. Weder bei mir, noch bei anderen. Die aktuelle Situation stellt uns alle auf die Probe. Alles ist anders. Der wöchentliche Kaffee mit der besten Freundin findet schon seit Wochen nicht mehr statt. Das spontane Treffen mit den Liebsten und ihren Kindern ist nicht erlaubt. Mal eben Lebensmittel einkaufen gestaltet sich als Tageshighlight. Ja, ganz gleich ob man an Depressionen leidet oder nicht, der Alltag ist anders.

Seit letzten Montag gehe ich nicht mehr zur Therapie. Ich fühle mich so gestärkt, dass ich eine Pause mache, bis meine Wiedereingliederung beginnt. Wann das ist weiß ich nicht. Ja, diese Ungewissheit ist nicht gut für mich, aber mittlerweile weiß ich damit umzugehen. Wer mir auf Instagram folgt weiß, dass ich sehr viel spiele. Ich möchte keine Werbung schalten, daher schreibe ich hier nichts spezifisches. Sozusagen habe ich meinen „heiligen Gral“ gefunden, denn wenn ich spiele, muss ich nicht nachdenken. Über was ich nachdenke? Wenn ich doch so gestärkt bin?

Die verdrängten Gedanken

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich einsam auf einer Parkbank in der Stadt. Es ist kaum etwas los, ich tippe heute mit dem Handy. Gegenüber von mir ist ein Juwelier, eine Mutter mit Kinderwagen schlendert vorbei und schaut sich das ausgestellte Sortiment an. Sie träumt vor sich hin und lächelt. Scheinbar hat sie etwas entdeckt, was Erinnerungen hervorruft. Dann schlendert sie gemütlich und sichtlich besser gelaunt weiter.

Während ich diese Beobachtung mache, denke ich nach, wann ich das letzte Mal ernsthaft gelächelt habe. Meine Psychologin meinte beim letzten Gespräch, dass sie es merke, wenn ich aus Höflichkeit lächle und nicht von Herzen kommend. Bin ich so leicht zu durchschauen? Ich überlege weiter, was mich zum Lächeln bringt. Meine Familie, mein Mann, mein Hund. Klar, all das ist mir wichtig und wir lachen auch viel gemeinsam. Aber was erfüllt mich wirklich?

Früher hätte ich ohne zu zögern gesagt, dass mich mein Job erfüllt. Mittlerweile ist das nicht mehr so. Meine Prioritäten haben sich verschoben. Mir ist, zumindest gefühlt, nicht mehr wichtig, dass alles perfekt läuft auf der Arbeit. Natürlich ist meine Genauigkeit immer noch vorhanden, aber ich werde keine übermäßigen Überstunden mehr machen. Dankt mir eh keiner. Vielleicht ist die Erfüllung auch nicht ein Ding, eine Art oder eine Möglichkeit, sondern mehrere.

Aber was ist mir in den letzten Monaten wichtig geworden?

Was mir wirklich wichtig geworden ist

Wichtig ist zu sagen, dass einige Punkte selbstverständlich sein sollten. Es ist nicht normal, dass man alles vorne anstellt und sich selbst vergisst. Ja, wirklich. Mir war jeder andere Mensch wichtiger als ich selbst. Solch ein Leben ist nicht erfüllend. Man kann nicht alle Menschen um sich rum glücklich machen, man vergisst immer jemanden – meistens sich selbst. Daher versuche ich, das gelernte Selbstwertgefühl aufrecht zu erhalten.

Die mentale Gesundheit an erster Stelle

Meine Gesundheit steht an erster Stelle. So viel gesunden Egoismus gönne ich mir. Ich möchte nicht wieder in das Loch fallen, aus dem ich so mühsam heraus gekrochen bin. Meine Grenzen teste ich hierfür momentan aus. Sprich, wie weit kann ich gehen bevor es gefährlich wird. Die Zeit zu Hause ist eine Belastungsprobe – wie bei jedem anderen auch.

Also steht fest, meine mentale Gesundheit ist mir am wichtigsten. Und diese werde ich mir nicht mehr kaputt machen lassen – komme was wolle. Ein Beispiel hierfür wäre, wenn mir die Arbeit nicht mehr gut tut, dann muss ich eben die Arbeitsstelle wechseln. Oder wenn mir eine Situation im privaten Umfeld aufgrund einigen Personen nicht gut tut, dann werde ich mich dieser Situation nicht mehr aussetzen. Und am Besten wäre noch, wenn ich gleich dazu stehen würde und reinen Tisch machen könnte. Also, dass ich sage, dass mir die Situation oder die Menschen nicht gut tun und ich gleich Abstand nehme.

Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemanden überholt werden.

Marlon Brando

Letzte Worte zu dem Artikel

Mein Arzt meinte bei dem letzten Termin, dass ich eine sehr gute Grundfestigkeit erworben habe. Als ich grinsen musste, meinte er, dass er das selbst durch den Mundschutz sehen könnte und stolz auf mich ist. Wie man diese Grundfestigkeit findet, erkläre ich in meinem nächsten Artikel. Ich habe mit ihm auch besprochen, dass ich öfter wieder schlecht gelaunt bin, meine Stimmungsschwankungen sozusagen zunehmen. Die Depression ist eine Krankheit, die ich mein Leben lang ertragen werden muss.

Ich weiß, dass ich mein Leben lang an mir arbeiten muss, damit ich nicht in das Loch falle. Aber diese Aufgabe gehört nun zu mir. Langsam gewöhne ich mich an den Gedanken, diese Krankheit zu akzeptieren. Dadurch werde ich nicht schwächer, nein, ich werde stärker.

Verzeiht mir, dass dieser Artikel etwas kürzer ist, ich arbeite parallel an einem größeren Eintrag über die Grundfestigkeit. Zudem würde ich gerne eure Meinung zu einem Newsletter erfahren. Sobald ein neuer Artikel online ist, werdet ihr per E-Mail informiert. Habt ihr daran Interesse? Schreibt mir dazu gerne. Folgt mir außerdem auf Instagram (@Jessiie_x) um an meinem Alltag teilzunehmen.

Bis zu dem nächsten Artikel vergeht nicht so viel Zeit, versprochen!

Bleibt gesund, bis bald.

Eure Jessica

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