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Wie ich meine Lebensfreude zurückgewann

Die letzten Wochen waren sehr durchwachsen. Ich habe einen Entschluss gefasst – hierzu kommt in den nächsten Wochen ein separater Artikel – und seitdem geht es mir viel besser. Die letzten Schritte sind noch nicht ganz abgeschlossen, daher brauche ich noch etwas Zeit, um euch alles erzählen zu können. Dieser Entschluss hat einiges in mir ausgelöst. Vor allem meine Lebensfreude. In diesem Artikel möchte ich euch erzählen, wie ich endlich wieder glücklicher wurde.

Was ist Lebensfreude?

Im ersten Abschnitt möchte ich euch erst einmal von der Lebensfreude erzählen. Was ist Lebensfreude überhaupt? Ganz nüchtern betrachtet ist die Lebensfreude die subjektive Freude am Leben. Klar, sagt der Name ja bereits. Jeder kennt die Lebensfreude, das ist das schöne daran. Schon als Kind konnte man diese spüren – ohne wirklich daran zu denken. Was war das schönste Gefühl für dich als Kind? In welchen Situationen warst du wirklich glücklich? Bei mir war es beispielsweise wenn ich eine neue Barbie-Puppe bekam. Mein Gott, was war ich glücklich. Aber dies ist nur der materielle Wert. Auch war ich sehr glücklich, wenn mein Papa von der Arbeit kam und ich mit ihm spielen und toben konnte. Oder wenn meine Mama mich vom Kindergarten abgeholt hat und ich ihr alles erzählen konnte, was ich erlebt habe.

Natürlich wirst du sagen, dass das so gut wie jeder erlebt hat. Leider stimmt das nicht ganz, denn es gibt auch andere Fälle. Aber bei mir war es so. Ich war glücklich, meine Eltern zu haben, die neueste Barbie-Puppe zu bekommen, am Wochenende mal bei meinen Großeltern zu schlafen.

Warum ist es dann so schwer, diese Lebensfreude aufrecht zu erhalten?

Die ersten „Kratzer“ bekam meine Lebensfreude bereits im Kindergarten. Dort war ein gleichnamiges Mädchen, die öfter Aussagen traf, die mich an mir selbst zweifeln ließen. Ein Beispiel: Wir beobachteten die vorbeiziehenden Wolken. Ich erklärte ihr, dass die Wolken durch den Wind vorbeiziehen. Was war ich stolz, dass ich ihr das erklären konnte. Sie starrte mich nur an und sagte, dass ich spinne, denn Wolken bewegten sich nicht. Die Kindergärtnerin (die auch ihre Mutter war) erklärte ihr dann, dass ich recht hatte. So bekam nicht nur mein Selbstbewusstsein einen Kratzer, nein, auch meine Lebensfreude. Denn schließlich war ich unglaublich glücklich, dass ich das schon wusste und ihr erklären konnte.

Natürlich könnte man sagen, dass das einfach eine kindliche Erfahrung ist, aber für mich war das so viel mehr als das. Seitdem erzähle ich nicht mehr viel von meinem Wissen, bin schnell verunsichert.

Aber zurück zum Thema. Durch diese Erfahrungen, die wir unter anderem bereits als Kind gesammelt haben, verändert sich unser Denken. Und durch dieses Denken beeinflussen wir unsere Lebensfreude.

Wie entsteht Lebensfreude eigentlich?

Lebensfreude, Glück, Zufriedenheit – jeder kennt diese Gefühle. Doch so wirklich beschreiben können wir diese nicht. Denn jeder hat andere Erkennungsmerkmale. Die einen fühlen sich warm durchflutet, ruhig. Wieder andere spüren ein kribbeln im ganzen Körper. Und ganz andere fühlen sich, als könnten sie Bäume ausreißen.

Und genauso uneinig sind wir uns, was dieses Gefühl auslösen kann. Lebensfreude kann durch äußere Einflüsse entstehen oder auch von unserem Inneren kommen – ganz ohne Zutun von anderen Menschen oder Dingen.

Positive Ereignisse sind der Schlüssel zur Lebensfreude. Sie kann durch einen schönen Moment geboren werden, zum Beispiel wenn man eingekuschelt in seiner Lieblingsdecke auf dem Sofa liegt und ein gutes Buch liest und dem Regen lauscht. Sie kann natürlich auch bei Erreichung persönlicher oder beruflicher Ziele auftreten. Ihr merkt, dass es sehr unterschiedlich ist und von Mensch zu Mensch variieren kann. Wichtig ist auch, wie die jeweilige Person ein Ereignis betrachtet. Sprich, ob es positiv ist und wie die Person es interpretiert.

Änderung der persönlichen Sichtweise

Ja, ich weiß. Es ist immer dieselbe Aussage von mir. Aber du musst deine persönlichen Gedanken ändern. Es gibt mehrere Arten um mit einer „schlechten“ Nachricht umgehen zu können. Beispielsweise bei einem Jobverlust.

Wenn man seinen Job verliert kann man sagen: „Warum passiert mir das? Ich finde nie wieder einen solchen Job! Ich verdiene kein Geld mehr und kann mich arbeitslos melden. Wer stellt noch jemanden wie mich ein?“. Man sieht die Welt schwarz. Natürlich kann ich solche Gedanken absolut nachvollziehen, es ist nie leicht einen Neuanfang zu schaffen. Aber auch genau hier entsteht eine Chance. Eine Möglichkeit, etwas zu ändern. Anstatt sich im Selbstmitleid zu sulen, sollte man positiv an die Sache gehen.

Natürlich gibt es Menschen, die gefühlt immer vom Pech verfolgt sind. Meine Eltern sind solche Menschen. Hier fällt es mir auch schwer, etwas positives aus den schief gegangen Sachen zu ziehen. Aber meistens fällt mir etwas ein. Und wenn es nur die gewonnene Erfahrung ist.

Alltäglichkeiten die dir mehr Lebensfreude geben

Besonders als depressiver Mensch ist es nicht immer leicht, die Zuversicht zu behalten. Glaubt mir, ich weiß wovon ich spreche. Ich merke es immer wieder. Es gibt gute und schlechte Tage. Und es gibt verdammt schlechte Tage. Das ist ganz normal. An diesen Tagen versuche ich trotz allem etwas positives aus der Sache zu ziehen. Oder zumindest eine Kleinigkeit, die mich lächeln lässt. Diese Kleinigkeiten findet man ziemlich oft in seinem Alltag.

Was mich oft lächeln lässt sind folgende Dinge:

  • Das Lächeln eines Fremden – versuch es einmal selbst. Lächle einfach mal einen fremden Menschen am vorbeigehen an. Die meisten lächeln zurück. Und das gibt mir ein gutes Gefühl.
  • Sonnenschein – was gibt es besseres als Sonnenstrahlen? In der Reha nannten wir das immer die Lichttherapie. Wir saßen oder stellten uns einfach in die Sonne, haben die Augen geschlossen und genießten die Sonne.
  • Ausreichend Schlaf – oooh ja! Schlaf ist verdammt wichtig. Bei der aktuellen Hitze schlafe ich nicht besonders gut. Aber hey – ich nehme seit einigen Wochen keine Schlaftabletten mehr und es geht mir viel besser damit.
  • Gute Musik – jeder kennt es. Das eine Lied, das dich perfekt beschreibt. Das eine Lied, das deine Situation versteht und du dich getröstet fühlst. Oder das eine Lied, mit welchem du besonders gute Laune bekommst. Musik ist etwas herrliches!
  • Eine Nachricht von einem lieben Freund – Menschen, die sich um dich sorgen können sehr aufbauend sein. Oft bekomme ich einfach aus dem Nichts eine Nachricht von einer lieben Freundin. Einfach ein: „Hab dich lieb, ich denk an dich. Fühl dich gedrückt.“ und das ist so viel Wert! Mit Sicherheit hast auch du jemanden, der öfter an dich denkt.
  • Ein gutes Gespräch – ja, ich weiß. Ich möchte mich auch am liebsten öfter verkriechen und gar nicht aus dem Bett aufstehen. Aber soziale Kontakte sind unglaublich wichtig. Mir persönlich geht es nach einem Gespräch oder einem Telefonat mit der lieben Stephi besonders gut. Sie hat gute und auch schlechte Tage mitbekommen und versteht mich seit der Reha auf eine ganz besondere Art und Weise.
  • Eine schöne Landschaft – was ich in der Reha gelernt habe, ist, dass die Natur einen sehr gut helfen kann. Egal ob es Berge sind, der Wald oder eine Aussichtsplattform, es kann dir helfen dich besser zu fühlen.

Das wären die Themen, die Alltäglich passieren können. Ich kann jeden Tag – beispielsweise nach der Arbeit – in die Natur fahren und die Aussicht genießen.

Es gibt natürlich auch Tipps, die viel mit der Änderung deiner Verhaltensweise zu tun hat. Auch diese möchte ich dir aufzählen – denn schließlich ist das alte Sprichwort tatsächlich wahr: Jeder ist seines Glückes Schmid.

Tipps für mehr Lebensfreude

Lächle mehr

Ja, es ist ein Klischee. Vom allerfeinsten. Das gebe ich zu. Aber es wirkt. Stelle dich morgens vor den Spiegel und lächle dich selbst einfach mal an. Dadurch werden Endorphine ausgeschüttet und du startest positiver in den Tag. Ich habe selbst nie daran geglaubt, aber was stimmt wirklich.

Sei dankbar

Es ist nicht nur als depressiver Mensch schwer, das zu schätzen was man bereits hat oder erreicht hat. Sollte es aber sein. Der Mensch wird sich immer als erstes darauf konzentrieren, was ihm fehlt. Und so wirst du immer unzufrieden sein und deine Lebensfreude geht verloren. Versuche jeden Tag etwas zu finden, wofür du dankbar bist. Am besten startest du ein „Dankbarkeitstagebuch“. Wenn es dir mal schlecht geht, kannst du dir so vor Augen führen, was du hast und worauf du stolz sein kannst.

Gönne dir auch mal etwas

Wenn du nur verzichtest, wirst du auf Dauer unzufrieden. Gönne dir mal ein Stück Kuchen oder einen freien Nachmittag. Solange du damit nicht übertreibst, solltest du kein schlechtes Gewissen haben.

Mach dich frei

Das ist einer der wichtigsten Punkte für mich. Mach dich frei von allem negativen. Miste deine Wohnung aus. Trenne dich von dem, was du nicht wirklich brauchst. Das ist sowas von befreiend! Und ganz wichtig: trenne dich auch von Menschen, die dir nicht gut tun. Konzentriere dich auf deine wahren Freunde, die bedingungslos zu dir stehen. Denn wenn du viel Negativität aus deinem Leben verbannst, wird die Lebensfreude von alleine wieder kommen.

Pflege deine Sozialkontakte

Wie ich immer wieder sage – Sozialkontakte sind sehr wichtig. Denn in der Anwesenheit deiner Freunde kannst du deine Meinung auch vertreten und so entstehen wiederum gute Gespräche, die sehr wichtig sind für dich. Wenn du dich zu sehr isolierst, sinkt deine Lebensfreude dramatisch.

Mache anderen eine kleine Freude

Beschenkt werden ist absolut toll, darüber brauchen wir gar nicht sprechen. Aber hast du schon mal einer Freundin einfach so einen Blumenstrauß mitgebracht? Oder deine Mama spontan besucht? Die Freude dieser Menschen ist so unglaublich schön, dass man sich einfach mitfreuen muss. Und so bleibt der Tag auch als schön in Erinnerung.

Lebe im Moment

Einfacher gesagt als getan. Die Vergangenheit hat uns zu dem gemacht, was wir sind. Natürlich wird somit die Vergangenheit immer eine gewisse Rolle spielen. Aber du solltest nicht darin leben. Du kannst die Vergangenheit nicht ändern. Genauso die Zukunft. Du kannst die Zukunft nur in gewisser Art und Weise beeinflussen. Darum ist es wichtig, jeden Augenblick zu genießen. Natürlich kannst du nicht 24/7 genießen, das ist absolut unrealistisch. Darum nimm dir ganz bewusst die Zeit, täglich in gewissen Momenten ganz bei diesen zu sein. Lege dein Handy beiseite und genieße einfach.

Nimm auch mal Herausforderungen an

Jeder Mensch wächst immer weiter. Jede Herausforderung kann gemeistert werden. Du musst an dich glauben und deine Komfortzone verlassen. Setze dir realistische Ziele, die du auch erreichen kannst. Natürlich ist es anfangs etwas ungewohnt und vielleicht bist du auch etwas ängstlich, aber trau dich! Du wirst sehen, wenn sich eine Türe schließt, öffnet sich eine andere. Du wirst viele neue Erfahrungen sammeln und somit das Leben besser zu schätzen wissen. Und vor allem wirst du auch etwas Selbstbewusstsein aufbauen. Und das kann schließlich nie schaden.

Setze dir Ziele

Um auf den voranstehenden Punkt aufzubauen, setze dir realistische Ziele. Viele Menschen brauchen ein Ziel vor Augen um das Leben zu meistern. Vor allem bei uns depressiven Menschen ist es wichtig, eine Aufgabe zu haben um überhaupt aus dem Bett zu kommen. Setze dir bitte in einer schlimmeren Phase keine großen Ziele. Und wenn es nur die Spülmaschine ausräumen ist. Wenn das getan ist, wirst du dich gleich viel besser fühlen. Wenn du größeres vor hast, setze dir bitte kleinere Etappen. So kannst du die Ziele leichter erreichen und du wirst auf Dauer glücklicher sein.

Lass deine Gefühle zu

Es ist ein sehr schwieriger Punkt, das gebe ich zu. Aber wenn du das Bedürfnis hast zu weinen, dann weine bitte. So verlierst du dein Vertrauen in deine Gefühlswelt nicht. Denn wenn du deine Gefühle immer vernachlässigst und hinten anstellst, wirst du auf Dauer sehr unglücklich werden.

Denke positiv

Ich glaube, ich bin in diesem Artikel sehr oft darauf eingegangen. Aber bitte nehme es dir zu Herzen. Es ist sehr wichtig, wie du an die Dinge ran gehst. Wer negativ denkt, dem widerfährt auch negatives. Wer dagegen positiv denkt, dem widerfährt auch positives. Versuche es doch einfach!

Vergebe dir und anderen

Das ist ein Punkt, an dem ich selbst am meisten arbeiten muss. Ich bin ein sehr nachtragender Mensch. Ich kann anderen kaum verzeihen – daher kann ich mir selbst nie verzeihen. Umso wichtiger ist es zu verzeihen um mit der Vergangenheit abzuschließen. Fehler zu machen ist menschlich. Niemand ist perfekt. Auch ich nicht. Schließe mit der Vergangenheit ab um negative Gedanken zu verbannen und Platz für Positives zu machen.

Feiere das Leben

Wow. In der jetzigen Zeit absolut schwierig. Es ist nicht einfach, sich selbst zu belohnen, wenn mal etwas gut ging. Zumindest mir fällt das schwer. Ich sehe es eher als selbstverständlich, dass etwas gut ausging. So ist es aber nicht. Daher ist es wichtig, auch mal das Leben zu feiern. Und wenn es nur mit einem Glas Rotwein auf dem Balkon ist.

Gehe einem Hobby nach

Ich habe unglaublich viele Interessen. Ich möchte am liebsten alles auf einmal ausprobieren. Aber ein richtig festes Hobby habe ich nicht. Und das werde ich auch ändern müssen. Denn wenn man etwas tut, was einem Spaß macht, ist man automatisch glücklicher. Sei es lesen, basteln oder Sport treiben.

Letzte Worte zu diesem Artikel

Ihr merkt, es läuft darauf hinaus, dass man immer an sich selbst arbeiten muss. Oft werde ich dafür belächelt. Meistens von Menschen, die keine Ahnung haben von Depressionen. Oh glaubt mir, ich war auch so. An sich selbst arbeiten. Das machen meistens nur Leute, die irgendwie komisch sind. Lasst euch davon nicht beeinflussen. Denn diese Menschen wissen nichts von unserem täglichen Kampf mit uns selbst.

Es ist nicht wichtig, was andere von dir denken. Du musst mir dir selbst im Reinen sein. Auch für mich war es nicht einfach, aber ich musste diese Entscheidung für mich und meine Gesundheit treffen. Und ich merke jeden Tag, dass es mir besser geht. Abgesehen von den Hitzewallungen dank der Tabletten bei dieser Hitze. Ich freue mich schon darauf, euch alles erzählen zu können.

Bis dahin wünsche ich euch eine gute Zeit und viel Erfolg bei der Umsetzung mener Tipps.

Eure Jessica

Hilfe holen

Wichtig ist, sich bei suizidalen Gedanken Hilfe zu suchen. Bitte scheut Euch nicht, Hilfe anzufordern. Jeder braucht mal Hilfe. Mit diesem Slogan wirbt auch die TelefonSeelsorge Deutschland. Bitte nehmt diesen Service wahr, wenn Ihr Gedanken habt, die nicht richtig erscheinen. Egal, wie verzweifelt Ihr seit, es gibt IMMER – absolut IMMER – einen Weg bzw. eine Alternative!

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